Friedensforschung mit der Maus

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Samstag, 26. April 2014

Abschreckung lernen - Töten lernen


Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden — das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen — sondern durch Eisen und Blut.

(The great issues of the day are not decided through speeches and majority resolutions — that was the great error of 1848 and 1849 — but through blood and iron.)

 
Ukraine-Krise: Deutsche, ihr müsst wieder Abschreckung lernen
DIE WELT ‎- 1 day ago
Europa sollte geeint handeln. Und Deutschland muss verstehen, dass Diplomatie nicht alles ist. Mit Russland nur zu reden, hilft nicht weiter.
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article127262189/Deutsche-ihr-muesst-wieder-Abschreckung-lernen.html


„Der Russe“
Aus dem Artikel von Anne Applebaum in der WELT, 24.04.2014
(Link siehe oben)


Ukraine-Krise: Deutsche, ihr müsst wieder Abschreckung lernen

Der Zweite Weltkrieg wurde nicht dank Diplomatie beendet, und Hitler hat sich auch nicht aus Polen zurückgezogen, nachdem dies die Vereinten Nationen gefordert hätten. Genauso wenig wurde der Holocaust gestoppt, weil das Nazi-Regime dann doch von der Weisheit des Internationalen Rechts überzeugt wurde.

[Anm. Blogger: Das stimmt, macht aber den Einsatz von Truppen und Bomben nicht zu einem Patentrezept für Strategien von heute. Um die Lektionen aus der „deutschen Katastrophe“ wirklich zu lernen, muss man sich u.a. auch damit beschäftigen, in welchem Umfang das NS Regime zunächst gestützt wurde, um „den Bolschewismus“ mit seiner Hilfe militärisch im Zaum zu halten. Und Diplomatie in dem Sinne, dass nach dem Attentat vom 20. Juni 1944 die Bereitschaft zu einem Verhandlungsfrieden im Falle eines Regimewechsels von innen heraus signalisiert worden wäre, wäre im Ergebnis nicht unbedingt eine schlechtere Option gewesen als der kategorische Ausschluss einer solchen Möglichkeit.]

Ostpolitik war gut, US-Raketen waren besser

Die Rote Armee wurde durch eine große Anzahl amerikanischer Soldaten, Waffen, Panzer und Nuklearwaffen abgeschreckt. Mit Diplomatie hatte das auch nichts mehr zu tun.

Seither möchten Deutsche gerne glauben, dass die Welt sich verändert hat. Wie alle Europäer ziehen deutsche Politiker die Diplomatie der nuklearen Abschreckung vor.

[…] nur weil die Deutschen sich an das Völkerrecht halten, muss der Russe dies nicht tun.

[Putin …] will das Vertrauen, das die Europäer in ihre Grenzen haben, destabilisieren. Er will, dass all die Pakte, Verträge und Vereinbarungen, die Europa nach 1945 und 1989 befriedeten, von uns selbst hinterfragt werden.

Er will auch alle Institutionen, die Europa nach 1945 und 1989 aufbaute, unterminieren. Besonders die Nato. Lange vor den Unruhen in der Ukraine haben russische Militärs die Staaten der Ostsee provoziert, um deren militärische Stärke zu testen.

Und natürlich will Putin in erster Linie die Europäische Union destabilisieren, weil sie die einzige Organisation ist, die seine Hauptziele verhindern kann: Europa weiter von russischem Gas abhängig zu halten und korruptes russisches Geld anzunehmen.

Diplomatie kann auf diese massiven Angriffe nicht die Antwort sein.
Nur als Ganzes kann Europa eine neue Energiepolitik entwickeln, die unsere Abhängigkeit von russischem Gas mindert.

[Anm. Blogger: Diese Satzfolge erinnert an „verschwurbelte“ Formulierungen bei Thilo Sarrazin, mit denen etwas nahe gelegt wird, ohne es direkt zu behaupten. Wenn man sie im Zusammenhang des Gesamt-Artikels liest, wird hier nahe gelegt, dass die Antwort von „Europa als Ganzes“ mit strukturellen Massnahmen, wie Minderung unserer Abhängigkeit von russischem Gas, nur als Teil eines militärisch dominierten Ansatzes denkbar sei und irgendwie im Gegensatz zum Einsatz von Diplomatie stünde.]

 Aber weitaus wichtiger ist, dass Europa die Nato wiedererstarken lässt, damit diese ihre Truppen an die östlichen Grenzen stellt, um Putin davon abzuhalten, nach der Ukraine auch noch das Baltikum, Polen, Rumänien und andere Länder zu destabilisieren.

 Alle europäischen Institutionen haben Deutschland in den letzten 60 Jahren Frieden und außergewöhnlichen Wohlstand gebracht. Will Deutschland dies alles verteidigen, braucht es nun doch mehr als nur Diplomatie. 

[Anm. Blogger: Wieder wird nahe gelegt, dass ein nicht militärisch dominierter Ansatz gleich zu setzen sei mit „nur Diplomatie“ und dem Verzicht auf strukturelle, z.B. wirtschaftspolitische Massnahmen. ]

 
   Kurzbiografie (erschien zusammen mit dem Artikel in der WELT):

Anne Applebaum, 49, ist eine polnisch-US-amerikanische Historikerin. Ihre Arbeiten über die Geschichte Osteuropas und des Kommunismus wurden mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschienen: "Der Eiserne Vorhang" (Siedler, 1913 [Anm.: Blogger: wohl ein Tippfehler, richtig wohl 2013]). Applebaum hat in Osteuropa nicht nur intellektuell Heimat gefunden, sondern auch privat: Sie ist mit dem polnischen Außenminister Sikorski verheiratet 
 

NATO-Ambitionen des Ehemanns?
Aus
Anne Applebaum chce być Polką. Żona Radosława Sikorskiego złożyła wniosek o obywatelstwo
Polska Times
Data dodania: 2012-12-03
Karolina Wrońska
Applebaum cały czas pracuje jako dziennikarka, ostatnio pisze felietony o polityce zagranicznej dla "Washington Post". Nie da się ukryć, że w niektórych kręgach jest równie wpływowa jak jej mąż, który nie kryje ambicji na karierę międzynarodową. Jak pisała ostatnio "Polska", jego celami mogą być stanowiska sekretarza generalnego NATO lub następcy lady Ashton jako szefa europejskiej dyplomacji. Ale decyzja jego żony, by przyjąć polskie obywatelstwo, świadczyć też może o ambicjach krajowych - choćby o prezydenturze w 2020 r. http://www.polskatimes.pl/artykul/711587,anne-applebaum-chce-byc-polka-zona-radoslawa-sikorskiego-zlozyla-wniosek-o-obywatelstwo,id,t.html?cookie=1
Applebaum is still working as a journalist, recently wrote essays on foreign policy for the "Washington Post".  There's no denying that in some circles is as influential as her husband, who does not hide his international career ambitions.  As she wrote recently, "Poland", its objectives may be the position of Secretary General of NATO or the successor of Lady Ashton as head of European diplomacy.  But his wife's decision to adopt Polish citizenship, may also provide national ambitions - even for presidency in 2020 http://translate.google.com/translate?hl=en&sl=pl&u=http://www.polskatimes.pl/artykul/711587,anne-applebaum-chce-byc-polka-zona-radoslawa-sikorskiego-zlozyla-wniosek-o-obywatelstwo,id,t.html&prev=/search%3Fq%3Dharvey%2Bapplebaum%26biw%3D1082%26bih%3D572

 
Aus den Kommentaren auf WELT online

(kein Kommentar von mir und von jemanden, den ich kenne, dabei; „Mein_Kommentar“ ist Nutzername eines Foristen)
Mein_Kommentar vor einem Tag
"Ostpolitik war gut, US-Raketen waren besser"
Wenn es einen Gott gibt, der gerecht ist, dann wird er schon seine Antwort finden auf solche Aussagen! Wir gut die US-Raketen sind kann mittlerweile nahezu jedes Land im mittleren Osten bis nach Vietnam beurteilen!
"Russland hat nicht der Gewalt abgeschworen"
Sicher nicht. Aber die USA noch weniger. Es lebe die Waffenlobby und deren Umsätze, die durch chronisch Kriegstreieberei eine Existenzgarantie haben!
"Schröder und Berlusconi haben Putin geholfen"
Und all die US-Präsidenten haben etwa nicht ihre späteren Feinde aufgebaut? […]


Bei allem Respekt für Andersdenkende. Aber hier hat die Autorin nicht Recht.
Sie verwechselt Ursache und Wirkung. Auch sollte sie sich mal daran erinnern,
wie westl. Politiker Brok, Ahston, EU-Grössen (haha) Biden (schon wieder in
Kiew) die Situation auf dem Maidan angeheizt haben und noch anheizen.
Von dem unsäglichen General-Sekretär Rassmussen kann man sich ja nur noch
fürchten.
Dies hat nichts damit zu tun, daß man hier als mögl. Putin-Versteher verun-
glimpft wird.
Die Genfer Vereinbarung gilt im übrigen nicht nur für Ostukraine sondern
auch für Kiew-Ukraine


Klaus Müller vor einem Tag
Die EU haben bisher die polnischen Katchinsky-Brüder mehr destabilisiert wie Russland.

Liberate_mevor einem Tag
Super Artikel und vollste Zustimmung! Deutschland muss sich von seinen pazifistischen Tagträumen lösen und Realpolitik betreiben und dazu gehört eben auch das Militär und die Nato!
Winter vor einem Tag
Wird hier ernsthaft gefordert, eine so unglaubliche Aufrüstung zu starten, dass die NATO jederzeit mit einem "mächtigen Heer" (wie einst die Alliierten in Deutschland) in Russland einmarschieren und Putin den Garaus machen könnte? Wird hier etwa ernsthaft behauptet, dass letztlich nur Aufrüstung und militärische Drohgebärden stabilen Frieden bringen? Dass Diplomatie, Deeskalation, Kooperation und Herstellen von Win-Win-Situationen am Ende wirkungslos sind? - Wenn die Autorin schon die Geschichte bemüht: Hat nicht solch ein martialisches Säbelrasseln des Kaiserreichs (Flottenprogramm, Hunnen-Rede usw.) einen unheilvollen Beitrag dazu geleistet, dass es 1914 zu der Katastrophe des 1. Weltkriegs mit all ihren schrecklichen Folgewirkungen gekommen ist? - Und überhaupt, ist nicht diese Grundhaltung dieses Artikels (Putin/Russland ist nur böse und hat nichts im Sinn, als den nur guten Westen zu destabilisieren) eine Simplifizierung, die man bestenfalls als "unreflektiert" bezeichnen kann?


ncc-1701e vor einem Tag
Großes Lob für diesen Artikel, mir war gleich klar das ihm die Krim nicht genug sein wird.Und er testet Grenzen aus.Selbst wenn er die ganze UKR inne hat, wer glaubt denn ernsthaft das er dann stoppen würde, so wie wir rumeiern.
Einzig die USA findet langsam die richtigen Töne, sie haben die Sachlage erkannt, wie auch Rasmussen.
Ich fürchte nur das Sie bald ziemlich viele Prügel für diesen Text einstecken müssen.
Die 5te Kolonne wacht bald auf.
Uwe Siemon-Netto vor einem Tag
Ann Applebaums Rat komt keinen Augenblick zu früh: Unverantwortliche Schwarmgeister haben die Deutschen eine Weisheit der Römer lassen: Si vis pacem, para bellum (wenn Du den Frieden willst, bereite Dich für den Krieg vor). Der verlogene Pazifismus der letzten Jahrzehnte kann das Gegenteil des angeblich angestrebten Ziels zur Folge haben, nämlich Krieg

Petersen vor einem Tag
Im Grundsatz kann man der Analyse der Autorin nur zustimmen. Ihre Forderung einer
verstärkte NATO-Präsenz an den Westgrenzen Russlands entspricht eher der in Zeiten
des Warschauer Paktes erlebten Dominanz der ehemaligen Sovjetunion. Nur mit militärischen Mitteln ist die derzeitige Krise nicht dauerhaft zu lösen. Die militärische Großmannsucht seitens Russlands gegenüber etlichen ehemaligen Mitgliedsstaaten des
"untergegangenen Reiches" bedarf eines hohen finanziellen Aufwandes. Daher wäre es
für den "Westen" effizenter , die Finanzströme in Richtung Osten zu drosseln. Die Gaslieferung nach Europa können mittelfristig durch neue Lieferanten ersetzt werden. Ferner ist eine politische und wirtschaftliche Isolorierung Russlands denkbar, um die bisher latenten, jetzt jedoch offensichtlichen "Großmannsgelüste" der Putin-Nomenklatura zu unterbinden.

Familienvater vor einem Tag
Gar nichts müssen wir ! Ich kann mich noch gut an meine Kindheit der 70er und 80er Jahre erinnern - die ständigen Überschallknalls, dass die Scheiben gewackelt haben. Die andauerene Drohkulisse und die omnipräsente Angst vor dem Extremfall in den Köpfen der Erwachsenen... Demonstrationen gegen Pershing vor dem Kinderzimmer.
DAS braucht kein Mensch mehr ! Ein großer Krieg wir heute Mann nicht mehr Mann gegen Mann geführt - sondern über Drohnen, das Internet, atomar oder biologisch - und ist von keiner Seite zu "gewinnen". Wenn ich mir die Kommentarbereiche bekannter Nachrichtensender durchlese, gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass das Volk schlauer ist als unsere "Volksvertreter". Der normale Bürger würde heutzutage eher desertieren, als sich uns seine Kinder sinnlos an einer Front verheizen zu lassen. Ich frage mich nur, wann wir endlich gegen diesen Irrsinn aufstehen - hatten unsere Eltern in den 80er mehr Rückgrat ?


_____



Aus

VERTEIDIGUNGSGEMEINSCHAFT
An die Front, husch-husch!
DER SPIEGEL 21/1952

Kein Vorgang in der neueren Geschichte, so fachsimpelte der ehemalige Militärgouverneur in Westdeutschland [General Pierre König 1952 vor dem Verteidigungskomitee der französischen Nationalversammlung], habe den Deutschen so geschmeichelt, wie der Ruf 'Germans to the front' im chinesischen Boxer-Aufstand im Jahre 1900. Jetzt ergehe an die Deutschen wieder dieser Befehl, und er müsse sich sehr täuschen, wenn sie sich nicht auch diesmal sehr geschmeichelt fühlten. Im Gegenteil, er habe die Überzeugung, sie - die Deutschen - würden vor lauter Eifer, husch-husch an die Front zu kommen, über ihre eigenen Knobelbecher stolpern.
(König sagte auf Deutsch: "Knobelbecher".)

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21976961.html



Zum Stichwort "Germans to the Front" siehe auch den neuen Blog-Post "Der Hunnen-Vergleich: Erst hui, dann pfui"

http://zettelmaus.blogspot.com/2014/04/der-hunnen-vergleich-erst-hui-dann-pufi.html



„… die Deutschen würden vor lauter Eifer, husch-husch an die Front zu kommen, über ihre eigenen Knobelbecher stolpern.“ - General Pierre König vor dem Verteidigungskomitee der französischen Nationalversammlung, 1952 (siehe oben)


Als „Knobelbecher“ bezeichneten deutsche Soldaten ihre Schaftstiefel. – Dargestellt z.B. als Teil der Uniform eines Waffengrenadiers bei der Belagerung von Stalingrad auf einer englischsprachigen Hardcore-Fanseite des „Ostheers“;  http://www.easternfront.org/forums/index.php?topic=4330.0 (Abbildung links)






Gefunden mit Google-Suche
„Deutsche“ UND “Abschreckung lernen” am 25.04.2014
https://www.google.com/#q=%22abschreckung+lernen%22

Ca. 69,900 Ergebnisse

DIE WELT ‎- 1 day ago
(siehe oben)

Anne Applebaum über Ukraine-Krise - Deutsche, ihr müsst ...
1 day ago - Anne Applebaum über Ukraine-Krise - Deutsche, ihr müsst wieder Abschreckung lernen! http://t.co/3xBss7RNa3 via @welt by IlvesToomas ...
http://inagist.com/all/459561808236253184/

Press Report - Ukraine-Krise: Deutsche, ihr müsst wieder ...
Denn es will die EU und die Nato destabilisieren. Vollständiger Artikel auf Ukraine-Krise: Deutsche, ihr müsst wieder Abschreckung lernen! Vice Alle News Time ...
http://www.press-report.de.com/clanek-16375754-ukraine-krise-deutsche-ihr-musst-wieder-abschreckung-lernen

Gefunden mit Google-Suche „Deutsche“ UND „Toeten lernen” am 25.04.2014
https://www.google.com/#q=deutsche+%22toeten+lernen%22
Ca. 12.300 Ergebnisse  

Die Deutschen müssen das Töten lernen. - Spiegel Online
Nov 20, 2006 - Das deutsche Nachrichten-Magazin. Die wichtigsten Themen ... Die Deutschen müssen das Töten lernen. Wie Afghanistan zum Ernstfall wird.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-49612664.html

Müssen Deutsche das Töten lernen? - Kulturation :: Online ...
“Die Deutschen müssen das Töten lernen”. ... Es geht wohl darum, dass Deutsche neben dem Töten das Sterben im bewaffneten Kampf wieder erlernen. Gehört ...
http://www.kulturation.de/ki_1_text.php?id=46

NEON.de - Politik - Töten lernen
Sep 7, 2009 - "Töten lernen" lautete die Forderung eines namentlich ungenannten ... mit Hilfe der Tanklaster deutsche Soldaten gesprengt werden sollten; ...
http://www.neon.de/artikel/sehen/politik/toeten-lernen/669367

Begriff und historische Bedeutung des preußisch-deutschen ...
www.grin.com › ... › Politische SystemeHistorisches
... des preußisch-deutschen Militarismus: Einige Schlaglichter - Irmgard Richter ... 20.11.2006: „Die Deutschen müssen das Töten lernen“ (Hammerstein et al., ...
http://www.grin.com/de/e-book/112709/begriff-und-historische-bedeutung-des-preussisch-deutschen-
militarismus




Mal zum Vergleich:
„Deutsche“ UND “Diplomatie lernen” am 25.04.2014 Ca. 968 Ergebnisse https://www.google.com/#q=deutsche+%22diplomatie+lernen%22

„Deutsche“ UND “verhandeln lernen” am 25.04.2014
Ca. 14.400 Ergebnisse https://www.google.com/#q=deutsche+%22verhandeln+lernen%22
 

 

Samstag, 9. März 2013

Die Gräueltat zum Anlass der Abrechnung nehmen: Der tragische "Erfolg" der Mission Hoyos (1914)


Im Wikipedia-Eintrag zum Stichwort “Mission Hoyos” (s. u.) wird erwähnt, dass diese Mission trotz ihrer zentralen Bedeutung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs in der Forschung bisher kaum beleuchtet wurde. Interessanterweise enthält aber auch dieser Eintrag (bisher) keinerlei Hinweis auf das Interesse des Ausführenden der Mission, Alexander Graf von Hoyos, an einem der wichtigsten Rüstungsbetriebe der Zeit, der Whitehead-Werft in Fiume (Torpedo-Produktion), und über die mit diesem Betrieb verbundene Familiendynastie Whitehead-Bismarck-Hoyos.

Siehe auchhttp://zettelmaus.blogspot.com/2012/11/der-torpedo-eine-abschreckungswaffe.html
(Stichworte Whitehead, Bismarck, Hoyos)
http://zettelmaus.blogspot.com/2012/11/dialog-mit-eads.html
(Stichworte Guttenberg, Mensdorff-Pouilly, Waldeck)
und
http://guttmensch.blogspot.com/2011/12/fuhrungsbegabte-familien-besondere-gene.html\
(Stichwort Bismarck)
http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/liebe-ist-das-grote-aber-nur-wenn.html

(Stichwort Bismarck)


Aus Wikipedia (“Mission Hoyos”)

Gekürzt; Hyperlinks und Hinweise auf Fußnoten sind in dieser gekürzten Wiedergabe entfernt

Als Mission Hoyos, oder Hoyos-Mission, bezeichnet man die Reise des k.u.k.-Sondergesandten Legationsrat Alexander Graf von Hoyos nach Berlin am 5. und 6. Juli 1914 zu Beginn der Julikrise. Das Ziel seiner Mission war es, die Unterstützung des Deutschen Reichs für eine militärische Intervention Österreich-Ungarns gegen Serbien zu erlangen. Schließlich gelang es ihm, den so genannten „Blankoscheck“ zu erhalten, der zum Krieg mit Serbien und schließlich zum Ersten Weltkrieg führte.

In der Forschung wurde die Mission bis jetzt kaum beleuchtet, ist jedoch als einer der zentralen Vorgänge der Julikrise zu sehen.

Bereits am Tag nach dem Attentat auf Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie kam es in der Kanzlei des Kabinettschef des k.u.k. Außenministeriums Hoyos zu einer Besprechung. Kämmerer und Geheimer Rat Franz von Walterskirchen, Legationsrat Alexander von Musulin und Unterstaatssekretär Johann von Forgách besprachen ein mögliches Vorgehen nach dem Tod des Thronfolgers. …

Hoyos hatte bereits am 1. Juli mit dem deutschen Publizisten Victor Naumann eine geheime Unterredung geführt. In von Graf Hoyos' Aufzeichnungen ist Folgendes zu lesen: „Er selbst [Naumann] habe wahrnehmen können, daß man nicht nur in Armee- und Marinekreisen sondern auch im Auswärtigen Amte der Idee eines Präventivkrieges gegen Rußland nicht mehr so ganz ablehnend gegenüberstehe wie vor einem Jahre.” …

Ministerpräsident István Tisza … blieb während der Ministerratssitzungen der folgenden Tage der einzige Gegner eines Krieges gegen Serbien. Außenminister Berchtolds Position war eindeutig für einen Schlag gegen Serbien, der österreichische Ministerpräsident Karl Graf von Stürgkh plante die slawischen Nationalbewegungen in der Monarchie durch eine Aktion gegen Serbien niederzuschlagen und dachte bereits „an den Krieg als ein Unternehmen auch innenpolitischer Art“. Der Chef des Generalstabes Conrad von Hötzendorf sah nun den „Moment zur Lösung der serbischen Frage“ gekommen.

Um sich des mit einem Krieg verbundenen Risikos zu erwehren, telegraphierte Tisza am 1. Juli 1914 an Kaiser Franz-Joseph: „Ich hatte erst nach meiner Audienz Gelegenheit, Grafen Berchtold zu sprechen und von seiner Absicht, die Greueltat von Sarajewo zum Anlasse der Abrechnung zu machen Kenntnis erhalten.“

Obwohl der Großteil der Ministerkonferenz ein Eingreifen in Serbien befürwortete, war man sich der Tatsache bewusst, dass ein Vorgehen ohne Abstimmung und Rückendeckung mit dem Deutschen Reich nicht machbar wäre. …

Aus diesem Grunde beschloss die Ministerratskonferenz, ein altes, nicht verwendetes Memorandum aus den Tagen der Annexionskrise von 1908 umzuarbeiten und es gemeinsam mit einem handschriftlichen Brief Kaiser Franz-Josephs nach Berlin zu entsenden und die Unterstützung Kaiser Wilhelms einzuholen. …  Der persönliche Brief Franz-Josefs, der von Hoyos selbst aufgesetzt wurde, ergänzte das Memorandum dahingehend, „daß Österreich und Serbien nicht mehr nebeneinander fortbestehen können“ und ein Waffengang nun unausweichlich sei. …

Zusätzlich unterwies Außenminister Berchtold Alexander Hoyos mündlich, dem Grafen Szögény [dem k.u.k. Botschafter in Berlin] zu eröffnen, daß wir den Moment für gekommen erachten, [...] mit Serbien abzurechnen. …

Hoyos war für die Gespräche in Berlin der „ideale Partner,“ weil er schon in der bosnischen Annexionskrise die deutsche Rückendeckung heimgebracht hatte. Er wollte diesen Erfolg wiederholen und schlug Berchtold eine neuerliche Mission vor. Am Morgen des 5. Julis erreichte Hoyos mit dem Nachtzug Berlin. Da Kaiser Wilhelm bereits am Morgen des nächsten Tages auf seine Nordlandreise zu gehen beabsichtigte, hatte Botschafter Szögyény bereits für den Nachmittag desselben Tages eine Audienz arrangiert. …

Der Brief Franz-Josephs ging sogar so weit, in Serbien einen “Herd von verbrecherischer Agitation“ zu sehen. In dem auf 2. Juli datierten Brief des Kaisers an Kaiser Wilhelm hieß es: „Das Bestreben meiner Regierung muß in Hinkunft auf die Isolierung und Verkleinerung Serbiens gerichtet sein.“ Serbien, der „Angelpunkt der panslawistischen Politik“, sollte als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet werden.

Nachdem Hoyos den Botschafter Szögyény umfassend informiert hatte, zogen sie den Unterstaatssekretär im Deutschen Auswärtigen Amt, Arthur Zimmermann, hinzu. Zimmermann hatte zu diesem Zeitpunkt die Leitung des Amts inne, da Staatssekretär Gottlieb von Jagow, wie die meisten anderen Spitzen des Deutschen Reiches im Urlaub weilte. Hoyos informierte auch Zimmermann, allerdings verschwieg er ihm den Widerstand des ungarischen Ministerpräsidenten Tisza. Stattdessen schilderte Hoyos, dass Österreich-Ungarn den Wunsch habe, Serbien umgehend anzugreifen und ohne jegliche Verhandlungen einen überraschenden Vergeltungsschlag zu führen.

Zimmermann stimmte den vorgetragenen Ideen zu; er sah einen schnellen Schlag Österreich-Ungarns als zwingend notwendig an. So könne ein fait accompli geschaffen werden, dass einerseits die Position der Donaumonarchie auf dem Balkan festigen, andererseits eine Reaktion der Entente-Mächte Russland und Frankreich ausschließe. Falls es dennoch zu einem Eingreifen käme, so Zimmermann, sei es aufgrund der militärischen Stärke des Deutschen Reichs keinerlei Problem, beide Mächte in Schach zu halten. Mit einem Eingreifen Großbritanniens sei jedoch keinesfalls zu rechnen. Im Anschluss an die Besprechung informierte Zimmermann den Deutschen Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. …

Die Audienz Szögyénys und Hoyos [bei Kaiser Wilhelm II.] begann gegen 13 Uhr, erstaunlich war, dass der Hohenzoller die beiden alleine empfing. Es gab keinerlei Berater und keinerlei Vorbereitungen auf die Audienz, was in der außenpolitischen Lage üblich und angebracht gewesen wäre. Weder Bethmann-Hollweg noch Zimmermann unternahmen Schritte, der Audienz beizuwohnen.

So ist davon auszugehen, dass Wilhelm anfangs das Anliegen Kaiser Franz-Josephs nicht als ernste Gefährdung Österreich-Ungarns wahrnahm. Nach dem Studium der durch Hoyos und Szögyény vorgelegten Quellen lehnte er eine deutsche Unterstützung für einen Krieg ab. …

Doch Szögyény versuchte weiter, eine Zusage des Kaisers zu erringen, und nach einem gemeinsamen Mittagessen in großer Gesellschaft führte man die Audienz weiter. Der Botschafter schilderte dem Kaiser noch einmal nachdrücklich, wie ernst die Situation sei und zeichnete eine existentielle Bedrohung der Monarchie und die damit verbundenen Gefahren.

Hierbei muss nun ein Umdenken Wilhelms stattgefunden haben. Offensichtlich war Szögyénys Schilderung einer existentiellen Bedrohung überzeugend genug, dass Wilhelm seine persönliche Beziehung zu Kaiser Franz-Joseph sowie seine Vorstellungen von Ehre und Ritterlichkeit zur Grundlage seiner weiteren Vorgehensweise werden ließ. Szögyény wie auch Hoyos hatten hier wohl die richtigen Hebel in Bewegung gesetzt, um Wilhelm zu einem zumindest anteiligen Einlenken zu bringen. Denn mit seiner nun folgenden Zusage zur Bündnistreue bezog sich Wilhelm keineswegs auf die aktuelle Situation, sondern wiederholte seine Erklärung aus den Tagen der bosnischen Annexionskrise [von 1908]. … 1908 war Szögyény in Begleitung von Hoyos nach Rominten gereist, einem Jagdschloss Kaiser Wilhelms, um dort die Unterstützung des Deutschen Reichs in der Krise einzuholen. Hoyos schrieb darüber in seinem Bericht nach Wien: „Am Schluß der Unterredung erwähnte ich noch die bedrohliche Lage der Dinge in Serbien. Worauf seine Majestät erwiderte, die Serben sollten lieber Stille halten, um nicht Gefahr zu laufen, von Österreich-Ungarn und Bulgarien über den Haufen geworfen zu werden. [...] Aus den im gnädigen Tone vorgetragenen Ausführungen Seiner Majestät war Deutlichkeit zu entnehmen, [...] wie fest Höchstderselbe entschlossen ist, dieselbe [Politik Österreich-Ungarns] in unwandelbarer Bündnistreue zu unterstützen.“

Hinzu kommt, dass jenes eher profane Ergebnis der Audienz von Szögyény und Hoyos mit weit größerer Tragweite nach Wien berichtet wurde. Der Botschafter behauptete, dass Wilhelm empfehle, mit einem Vorgehen gegen Serbien nicht länger zu warten, da nun die richtige Gelegenheit gekommen sei. Natürlich würde Rußlands Haltung [...] jedenfalls feindselig sein, doch sei er [Wilhelm] schon seit Jahren vorbereitet, und sollte es sogar zu einem Krieg zwischen Österreich-Ungarn und Rußland kommen, so könnten wir davon überzeugt sein, daß Deutschland in gewohnter Bündnistreue an unserer Seite stehen werde.

Dass Szögyény mit seinem Bericht mindestens übertrieben hatte, zeigt das Gespräch Wilhelms mit Kriegsminister Erich von Falkenhayn, direkt nach dem Ende der Audienz. Wilhelm äußerte seine Meinung, dass es der österreichischen Regierung mit ihrer gegenüber früheren Sprache immerhin ernst ist. Dennoch seien vor einem eventuellen Krieg noch zu viele Dinge zu klären, so dass in keinem Fall die nächsten Wochen eine Entscheidung bringen. Als Falkenhayn ihn fragte, ob es notwendig sei, das Deutsche Heer zu mobilisieren oder zumindest bereitzuhalten, antwortete Wilhelm mit einem einfachen Nein.

Am Abend führte Wilhelm ein Gespräch mit Reichskanzler Bethmann-Hollweg und Zimmermann über die Audienz. Wilhelm betonte dabei ausdrücklich, dass es Aufgabe der Deutschen Außenpolitik sei mit allen Mitteln dagegen [zu] arbeiten [...] daß sich der österreichisch-serbische Streit zu einem internationalen Konflikt auswachse.

Es erhärtet sich somit der Verdacht, dass Hoyos und Szögyény entsprechende Informationen je nach Bedarf veränderten oder zurückhielten. …

Hoyos kehrte am 6. Juli bereits nach Wien zurück und berichtete am darauf folgenden Tag Berchtold, Stürgkh und Tisza von den Ergebnissen seiner Mission. Im Gespräch mit Unterstaatssekretär Zimmermann und Bethmann Hollweg hatte Hoyos die „völlige Aufteilung“ Serbiens gefordert. Tisza war außer sich, als er davon erfuhr, dass Hoyos während der Audienz ohne jegliche Weisung Äußerungen zur Aufteilung Serbiens nach einem erfolgreichen Krieg als offizielle Meinung der Donaumonarchie ausgegeben hatte. Wortwörtlich hatte Hoyos gesagt, dass Serbien „verschwinden“ müsse. Nach dem Protest Tiszas wurden diese Äußerungen von Berchtold als persönliche Meinung des Grafen dargestellt. In „seinem Eifer, freie Bahn für einen Eroberungskrieg zu schaffen“, gefährdete Hoyos dadurch noch den Erfolg seiner Mission. …

Nach langer Debatte beschloss der Ministerrat, mit der vermeintlichen Unterstützung des Deutschen Reiches im Rücken, nun eine tunlichst rasche Entscheidung des Streitfalles mit Serbien herbeizuführen. Tiszas Bedenken kam man dabei entgegen. Ein Ultimatum sollte konkrete Forderungen an Serbien stellen, die dann nach einer Zurückweisung zu einer Mobilisierung der k.u.k. Truppen führen würden. Außer Tisza waren sich jedoch alle Anwesenden darüber einig, daß ein rein diplomatischer Erfolg, auch wenn er in einer eklatanten Demütigung Serbiens enden würde, wertlos wäre und dass daher solche weitgehenden Forderungen an Serbien gestellt werden müßten, die eine Ablehnung voraussehen ließen, damit eine radikale Lösung im Wege militärischen Eingreifens angebahnt würde.

Ein Krieg Österreich-Ungarns gegen Serbien war damit de facto beschlossene Sache.

Die Tragweite von Hoyos' Handeln zeigt sich in seinen eigenen Worten, von denen einer seiner Mitarbeiter am Ballhausplatz, Konsul Emanuel Urbas berichtete: „Als eine tief moralische Natur hat er unter der geschichtlichen Verantwortung, die auf ihm lastete, nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns, wie ich weiß, so fürchterlich gelitten, daß er im Winter 1918/19, den er zurückgezogen in Friedrichsruh verbrachte, monatelang mit dem Gedanken des Freitodes rang.“

Rezeption in der Geschichtswissenschaft [Bearbeiten]:
Schlug die Fischer-Kontroverse in den 1960ern große Wellen und veränderte die Wahrnehmung der Kriegsschuldfrage in der Bundesrepublik nachhaltig, bezog sich diese Rezeption des Ersten Weltkriegs gleichzeitig fast ausschließlich auf das Deutsche Kaiserreich. Eine stark überwiegende „Kriegsschuld“ des Deutschen Reichs gilt seitdem als gegeben, während die anderen Großmächte der damaligen Zeit mit weitaus geringerem Anteil für „schuldig“ gehalten werden. Dennoch bleibt die Frage nach Art und Umfang der deutschen Kriegsschuld bis heute weiter offen und äußerst umstritten, wie die nach wie vor zahlreich erscheinende Fachliteratur belegt. …
In Österreich hingegen führte damals die Diskussion um Fischers Thesen nicht etwa zu einem Umdenken in der Beurteilung der Bedeutung Österreich-Ungarns für den Kriegsausbruch 1914. … [Dies] … erklärt [Fritz] Fellner mit der Situation Österreichs nach 1945. Das „Erwachen aus dem großdeutschen Traum“ habe zu der Notwendigkeit geführt, die Habsburgermonarchie positiv umzudeuten und zu einem neuen Gründungsmythos der Zweiten Republik zu machen … “.
Die Anzahl der Werke, die sich dezidiert mit der Mission Hoyos auseinandersetzten, blieb sowohl in Deutschland als auch Österreich entsprechend gering. Die erste Monographie, die sich umfassend mit dem Thema auseinandersetzt ist Die Mission Hoyos (2011) von Eric A. Leuer.





Alexander Graf von Hoyos, Lobbyist des "Waffengangs"
Schwieger-Urgroßvater des ehemaligen Verteidigungsministers zu Guttenberg

Bild gefunden auf
http://cousins-celebres.blogspot.com/2010/04/alexander-hoyos-freiherr.html



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Dynastie Bismarck, Heiratspolitik und Wehrwirtschaft

Zusammengestellt aus den Wikipedia-Einträgen zu Alexander Graf von Hoyos, Otto Christian Archibald Graf von Bismarck, Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen; mit Bezug auf frühere Beiträge auf diesem Blog und meinem anderen Blog „Menschenrechte statt Eugenik“.

Alexander Graf von Hoyos (* 13. Mai 1876 in Fiume város, heute Rijeka; † 20. Oktober 1937 in Schwertberg), war ein österreichisch-ungarischer Diplomat vor und während des Ersten Weltkrieges, der in der Julikrise eine bedeutende Rolle spielte. Insbesondere führte er die Mission Hoyos durch, deren Ergebnisse den Krieg gegen Serbien einleiteten. … Sein Vater Georg, Graf Hoyos (1842–1904) leitete die Whitehead-Werft in Fiume, die von Robert Whitehead, Alexanders Großvater mütterlicherseits, gegründet worden war. Seine Schwester Marguerite Hoyos (1871–1945) war mit Herbert von Bismarck verheiratet; Otto (II) Graf von Bismarck und Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen sind Söhne dieses Paares. Alexander Hoyos’ Tochter Melanie heiratete ihren Vetter Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen. Zu den Enkelkindern dieses Paares gehört Stephanie zu Guttenberg, Ehefrau von Karl Theodor zu Guttenberg, der schon in jungen Jahren zu Ämtern als Wirtschafts- und Verteidigungsminister kam.

Otto Christian Archibald Graf von Bismarck [Otto (II) von Bismarck] (1897 – 1975) war der ältere Sohn von Herbert von Bismarck und dessen Frau Marguerite geb. Hoyos. Er war ein Urenkel von Robert Whitehead, des britischen Gründers der Whitehead-Werft (Torpedo-Produktion) in Fiume. Seine Großväter waren der Leiter der Whitehead-Werft, Georg Graf von Hoyos (Schwiegersohn Robert Whiteheads) und der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck. Als Diplomat an der deutschen Botschaft in London war Otto (II) von Bismarck eine Anlaufstelle für hochrangige britische Nazis um den Faschistenführer Sir Oswald Mosley. – Auf einem Bild aus einem Sammelalbum der Firma Reemtsma ist er wahrscheinlich (nach meiner Einschätzung aufgrund von Bildvergleich) als Teilnehmer eines 1935 stattgefundenen Besuchs von Sir John Simon und Lord Anthony Eden bei Adolf Hitler zu sehen. Dieses Treffen fand im Vorfeld des deutsch-britischen Flottenabkommens statt, das entgegen den im Vertrag von Versailles vorgesehenen Rüstungsbeschränkungen getroffen wurde (siehe auf diesem Blog den Post “Liebe ist das Größte – aber nur wenn genetisch korrekt”.) Dass einiges an Lobby-Arbeit erforderlich gewesen sein muss, um das Flottenabkommen zustande zu bringen, liegt auf der Hand.

Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen (1901 – 1949) war der jüngere Bruder von Otto (II) von Bismarck. Er war SS-Brigadeführer und Freund von Heinrich Himmler. Er war auch ein eingeweihter Beobachter des Widerstands und verbrachte deshalb nach dem Attentat vom 20. Juni 1944, wenn auch unter erleichterten Bedingungen, Zeit in einem Konzentrationslager (siehe Kommentar oben Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen).

Dem Aufbau einer deutschen „Wehrwirtschaft“ unter dem Nazi-Regime hatten wohl die meisten der späteren Akteure und abwartenden Beobachter des Widerstands positiv gegenüber gestanden und sich sogar aktiv dafür eingesetzt. Der US Offizier Wedemeyer, 1936 Gast an der neu eröffneten deutschen Kriegsakademie und persönlich mit mehreren der späteren Akteure des Widerstands bekannt, schrieb begeistert  über das dort gelehrte Konzept der “Wehrwirtschaft”. Er war später einer der härtesten Kritiker der Politik des „unconditional surrender“, der Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation. Auch auf Wedemeyer und seinen vermuteten Einfluss auf Verhandlungsmöglichkeiten haben die Beteiligten am Widerstand höchstwahrscheinlich gesetzt. Aber als sie die Kräfte, die sie zuvor mit herbeigerufen hatten, nicht mehr kontrollieren konnten, zeigte sich, dass sie die Einflussmöglichkeiten früherer Freunde bei den westlichen Alliierten überschätzt hatten. Die erhofften Signale, dass es ohne Hitler noch zu einem Verhandlungsfrieden kommen könnte – für einen Erfolg des Widerstands womöglich noch unverzichtbarer als der physische Tod des Diktators - blieben aus.

Montag, 12. November 2012

Der Torpedo: Eine Abschreckungswaffe - glaubte sein Erfinder


Auf Robert Whiteheads Rolle in der modernen Kriegstechnologie kam ich über eine Suche zu Otto (II) von Bismarck, bis 1936 Erster Sekretär an der Botschaft in London, NSDAP-Mitglied und Ansprechpartner für Angehörige von Owald Mosleys "British Union of Fascists" (BUF).
Siehe den Post "Liebe ist das Größte" (aber nur, wenn genetisch korrekt) - Marie Stopes an Adolf Hitler auf meinem andern Blog Menschenrechte statt Eugenik

http://guttmensch.blogspot.com/2011/07/liebe-ist-das-grote-aber-nur-wenn.html

Otto (II) von Bismarck war ein Enkel des "Eisernen Kanzlers" - und von Robert Whitehead, dem Gründer etlicher Waffenfabriken in Europa.
Könnte es sein, dass dieser Umstand zu einer Tradition unbelehrbaren Waffen-Lobbyismus in Europa beitrug und beiträgt?




Aus Wikipedia (gekürzt):

Robert Whitehead (* 3. Januar 1823 in Bolton, England; † 14. November 1905) war ein britischer Ingenieur und Konstrukteur, der zusammen mit Giovanni Luppis die ersten Torpedos mit eigenem Antrieb und Selbststeuerung entwickelte. Damit schuf er eine Waffe, die beide Weltkriege (U-Boot-Krieg) entscheidend beeinflusste. …
1864 schloss Whitehead einen Vertrag mit dem Ingenieur Giovanni Luppis, um dessen 1860 erfundenen ersten Prototyp eines selbstangetriebenen Torpedos weiterzuentwickeln. Luppis hatte vorher in der österreichischen Marine gearbeitet und versuchte nun, seine Idee einer neuen Waffe umzusetzen. …
1875 gründete er die Whitehead-Werft in Fiume. … 1891 eröffnete er eine Fabrik nahe Portland Harbour, da die britische Marine seine Torpedos in großen Stückzahlen bestellen wollte, aber darauf bestand, dass diese in Großbritannien hergestellt werden. 1895 verbesserte er die Selbststeuerung durch den Einbau eines Kreiselinstruments (Gyroskop), einer Entwicklung des Österreichers Ludwig Obry. …
Robert Whitehead starb am 14. November 1905. Bis dahin wurde er bereits in mehreren Ländern für seine Erfindungen und Leistungen vielfach ausgezeichnet
, jedoch nicht in seinem Heimatland England. …
Whitehead heiratete 1846 Francis Maria Johnson. Sie hatten eine Tochter, Alice, und zwei Söhne, John, der ihm auch bei seinen Torpedoversuchen half, und James. Seine Tochter Alice heiratete 1869 den Grafen Georg Hoyos (Freiherr zu Stichsenstein), welcher etwas später die Whitehead-Werft aufkaufte und in Silurifico Whitehead umbenannte. John Whitehead, Roberts ältester Sohn, der seinem Vater schon bei der Entwicklung des Torpedos behilflich war, wurde als Direktor angestellt. John arbeitete in den 1880ern u.a. mit Ernst Mach zusammen.
Die Tochter aus der Ehe von Alice mit dem Grafen, Marguerite Hoyos, heiratete wiederum den Sohn des deutschen Reichskanzlers, Herbert von Bismarck. …
http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Whitehead_(Ingenieur)

GRAY, EDWIN: The Devil's Device - The story of the invention of the torpedo. LONDON. SEELEY SERVICE, 1975.
Aus der Buchbeschreibung des Verlags
(Hervorhebung in Fettdruck von mir: Whitehead glaubte, eine Abschreckungswaffe entwickelt zu haben – tatsächlich wurde der Torpedo zu einer vielfach eingesetzten Vernichtungswaffe):


The story of Robert Whitehead, inventor of the torpedo. Without the torpedo,the submarine would still be a nautical toy of little military value and 25,706,096 tons of merchant shipping might not be rusting on the sea-bed. Without the torpedo Jutland could well have been an overwhelming British victory and the Battle of the Atlantic need never had been fought.
Whitehead, a relatively unknown engineer exerted more influence over the tactics of naval warfare and the design of warships than all the world's top Admirals and naval architects put together. And the weapon he created twice brought Britain to the verge of defeat. Gray tells, for the first time,the story of Whitehead's life tracing the development of the torpedo from it's birth to today's missile age. A hard working engineer from Bolton-le-Moor Lancashire, benevolent and devoted family man who proudly watched his children marry into the cream of European Society. A self-made millionaire with extravagant and eccentric tastes, by his single-minded determination gave the world's Admirals the 'Devil's Device' - a weapon he fondly believed would make warfare at sea something too terrible to contemplate. Little did he realise he was to become one of the greatest single architects of destruction in the history of mankind.





Bilder unten:
Mussolini besucht die Whitehead-Torpedofabrik in Fiume (1925)
Gefunden auf: http://www.mymilitaria.it/Liste_02/siluro_whitehead.htm
(Stempel einer internationalen Foto-Agentur auf der Rueckseite:
Oscar Kersenbaum, representante de Wide World Photo, Defensa 320, Buenos Aires”)





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Nachtrag 05.05.2013

Erstaunlich, wie wenig die Verbindung der Whitehead-Nachfahren (Whitehead-Bismarck-Hoyos) zu der Torpedofabrik in Fiume thematisiert wird, und wie wenig Genaues darüber bekannt ist.
Zum Beispiel schreibt Jobst C. Knigge ausführlich über den Einsatz des Whitehead-Enkels Otto (II) von Bismarck als Diplomat in Rom 1940-1943 und erwähnt dessen Verbundenheit und die seiner Familie mit Italien. (“Schon lange liebte Bismarck Italien. Sein Bruder Albrecht (Eddi) lebte bereits seit längerer Zeit auf Capri. Er hat ihn dort mehrfach besucht. Auch AnnMaries Familie war eng mit Italien verbunden. Ihr Vater Ivar Tengbom hatte als Architekt die Schwedische Akademie in Rom entworfen, die 1925 eröffnet wurde.”)
Knigge erwähnt auch, dass Otto von Bismarck und der Torpedo-Erfinder Whitehead Bismarcks Großväter waren. Aber – kein Wort über Fiume, das 1924 von Italien annektiert worden war, und über die Whitehead-Torpedofabrik.


Jobst C. Knigge: Das Dilemma eines Diplomaten - Otto Christian von Bismarck in Rom 1940-1943. Neue erweiterte Version. Humboldt Universität Berlin (open access) 2013

Und im deutschen Wikipedia-Eintrag zu “Freistaat Fiume” (zuletzt geändert am 28. März 2013) suchte ich vergeblich nach einem Hinweis auf die 1875 gegründete Whitehead-Torpedofabrik.
Auszug aus Wkipedia:

Der Freistaat Fiume, auch Freistaat Rijeka (italienisch: Stato libero di Fiume, kroatisch: Slobodna Država Rijeka), war ein unabhängiger Freistaat um die heute als Rijeka zu Kroatien gehörende Stadt Fiume, der von 1920 bis 1924 bestand. Das Staatsgebiet umfasste die Stadt Fiume und das nördliche Umland sowie einen Korridor, der es mit Italien verband, insgesamt eine Fläche von 28 km². [...]
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns wurde die Frage des Status von Fiume zu einem internationalen Problem.[...] Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson wurde zu einem Vermittler im jugoslawisch-italienischen Disput über die Zukunft der Stadt.Er schlug vor, dass Fiume unabhängig und eventuell ein zukünftiger Sitz des Völkerbundes werden sollte.
Der Streit zwischen dem südslawischen Nationalkomitee und dem italienischen Nationalkomitee führte zu gesetzlosen Zuständen und schließlich zur Landung britischer und französischer Truppen, die die Kontrolle in der Stadt übernahmen. Die nach wie vor ungeklärte politische Situation wurde von dem italienischen „präfaschistischen“ Nationalisten und Dichter Gabriele D’Annunzio genutzt, der Fiume mit seinen anarcho-faschistischen Truppen am 12. September 1919 besetzte. Nach einer 15-monatigen Zeit gesellschaftlichen Chaos und ein Jahr nach dem Scheitern von Verhandlungen mit der italienischen Regierung proklamierte D'Annunzio die Italienische Regentschaft am Quarnero.


Am 12. November 1920 unterzeichneten das Königreich Italien und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen den Grenzvertrag von Rapallo, in dem beide Parteien die Anerkennung eines freien und unabhängigen Freistaates Fiume vereinbarten und sich verpflichteten, dessen Unabhängigkeit in Ewigkeit zu respektieren. Mit diesem Akt war der „Freistaat Fiume“ geschaffen, der als unabhängiger Staat „de facto“ etwa ein Jahr und „de jure“ vier Jahre existieren sollte. Der neue Staat wurde umgehend von den Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien anerkannt. D'Annunzio lehnte den Vertrag ab und wurde in der „Blutigen Weihnacht“ vom 24. bis 30. Dezember 1920 von regulären Truppen der italienischen Armee aus der Stadt vertrieben.
Im April 1921 bestätigten die Wähler in Fiume den Plan des italienischen Ministerpräsidenten zur Gründung des Freistaates [...] Der Führer der Autonomisten Riccardo Zanella wurde Präsident.

Am 3. März 1922 übernahmen die Faschisten mit einem Staatsstreich die Macht, die legale Regierung floh nach Kraljevica.
Im Januar 1924 stimmte das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen in dem Vertrag von Rom der Annexion der Stadt durch Italien zu, die am 16. März vollzogen wurde. Die Exilregierung des Freistaats erklärte die Besetzung für unrechtmäßig und nach internationalem Recht für ungültig und setzte ihre Aktivitäten fort.
Mit der Kapitulation Italiens im Zweiten Weltkrieg wurde die Rijeka-Frage wieder aktuell. [...]

Mit dem Friedensvertrag von Paris wurden Rijeka und Istrien 1947 offiziell Teil der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien. [...]
Der Virtuelle Freistaat Rijeka ist eine moderne Mikronation, die in Rijeka gegründet wurde, um die Traditionen des Freistaates Fiume wiederzubeleben und den Freistaat wiederherzustellen. Viele Bürger von Rijeka waren aus nationalistischen oder ideologischen Gründen ins Exil gegangen. Sie gründeten weltweit freie Stadtbezirke von Rijeka.[…]


Siehe auch:
Die Gräueltat zum Anlass der Abrechnung nehmen: Der tragische "Erfolg" der Mission Hoyos (1914)